Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“ in Crivitz eröffnet
Die Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“ wurde vorige Woche in Anwesenheit zahlreicher Besucher in Crivitz, im Bürgerbüro, Große Straße 5-7, eröffnet. In Deutschland werden Menschen beschimpft, geschlagen oder ermordet, weil sie aufgrund ihrer Herkunft, ihres Aussehens oder ihrer Lebensweise nicht in das Bild passen, das Nazis vom „Deutschen“ haben. Dass ein „Nationalsozialistischer Untergrund“ in Deutschland über zehn Jahre unentdeckt blieb und morden konnte, zeigt, wie wenig wir immer noch für die Gefahren des Neofaschismus sensibilisiert sind. Die Ausstellung will dazu beitragen, dass Neofaschismus nicht auf Dauer zum Alltag gehört. Sie informiert auf 21 Tafeln und zusätzlich acht Hörstationen, die über QR-Codes mit Smartphones abgehört werden können, über neofaschistische Ideologie und Praxis und benennt Ursachen für die Ausbreitung rassistischen, nationalistischen und militaristischen Denkens und Handelns. Wichtig ist, daran zu erinnern, dass sich geschichtlich bereits vor der Machtübertragung an die faschistische NSDAP und die Umwandlung der Weimarer Republik in einen faschistischen Führerstaat faschistische Ideologie und Bewegung etablierten, ohne dass die demokratischen Kräfte dies gemeinsam verhinderten. Im Gegenteil – durch die Duldung oder gar Unterstützung nationalistischer und antisemitischer Vorurteile in fast allen etablierten Parteien und in der Bevölkerung wurde den Faschisten bereits in der Weimarer Republik der Boden bereitet. In diesem Jahr begehen wir den 70. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus. Das, was tausende Häftlinge und Millionen Menschen in den europäischen Staaten unmittelbar als Befreiung empfanden, musste in Deutschland erst über Jahre und Jahrzehnte hinweg reifen. Leider sind rassistische Vorurteile aber immer noch in erheblichen Teilen der Bevölkerung verbreitet, wie Studien der Friedrich Ebert-Stiftung seit über zehn Jahren belegen. Auch weitere typischen Kriterien faschistischer Ideologie, wie Revanchismus, Verherrlichung von Krieg und Gewalt, Geschlechterdiskriminierung und gewerkschaftsfeindliche soziale Demagogie finden sich noch heute in vielen Köpfen und fordern unsere Auseinandersetzung heraus. Vordergründig wirkt die neofaschistische Szene heute zersplittert. Die Gruppen haben unterschiedliche inhaltliche und taktische Schwerpunkte und Ausdrucksformen, die durch zahlreiche Medien an verschiedene Zielgruppen herangetragen werden. In einzelnen Regionen sind sie besonders gut verankert. Im Kern streben sie alle eine faschistische »Volksgemeinschaft« an. Für junge Leute wurde versucht besonders ansprechend mit einem „Wimmelbild“ bzw. Cartoon darzustellen die verschiedenen Aktionsformen der Nazi-Szene und die Gegenaktionen der Anti-faschisten. Hier können in der Jugend- oder schulischen Arbeit die typischen Nazi-Aktionen, wie in einem Puzzle, zusammengefügt werden, die heute den immer noch vorhandenen Neofaschismus bilden und die von neuen rechtspopulistischen Bewegungen und Parteien flankiert und unterstützt werden.



